US Rails

14
Mär 2018
Mittwoch

Die US Rails back in town

The US Rails

Die Bluerose – Superband zeigt sich wieder in leicht veränderter Formation !

USR

 

 

 

 

Drei ansonsten eigenständige Künstler (plus Drummer) bilden den musikalischen Verbund von US Rails, mit dem man formal in der Tradition von CSNY bis Traveling Wilburys und – denken wir an ähnliche Fälle auf Blue Rose – von Resentments bis Hardpan steht. US Rails sind direkte Erben von 4 Way Street aus Philadelphia.

Fünf befreundete amerikanische Musiker hatten sich Ende der letzten Dekade aufgemacht, zusätzlich zu ihren eigenen, teilweise schon jahrelang andauernden Solokarrieren ein gemeinsames Ding zu starten, von dem sie überzeugt waren, dass es etwas Großes werden könnte. Nur wenig später gehörten US Rails praktisch schon zu den “Klassikern” auf dem Blue Rose Label und veröffentlichen mittlerweile bereits ihr fünftes Studioalbum. We Have All Been Here Before heißt das gute Stück und unterscheidet sich von den vier Vorgängern US Rails (2010), Southern Canon (2011), Heartbreak Superstar (2013) und Ivy von 2016 doch erheblich.  Was tut man als Künstler, wenn eine Tour ansteht, man dazu ein neues Album im Gepäck haben sollte und nicht genügend eigene neue Songs in petto hat? Genau, man durchforstet den unendlichen Fundus an passenden Songs anderer Songwriter, um dann eigene Arrangementideen einfließen zu lassen und Coverversionen ein Eigenleben zu geben.

Meist funktioniert das nicht, doch bei der Auswahl von Tom Gillam, Ben Arnold, Scott Bricklin und Matt Muir gelingt das prächtig, haben doch alle vier Bandmitglieder offensichtlich „ihre“ Songs ausgewählt und so interpretiert, wie sie auch eigene Songs produziert hätten. A propos : als 5. Bandmitglied ist Cliff Hillis eingestiegen und ersetzt Joseph Parsons, der die Band aber noch managed.

We Have All Been Here Before enthält mit 11 Stücken eine kunterbunte Mischung weltbekannter und weniger bekannter Stücke der Rock- und Pop-Geschichte. Ob die Auswahl alle vier gemeinsam getroffen haben, ist nicht bekannt und auch unerheblich, und doch kann man vermuten, dass Songs wie „Poor Poor Pitiful Me“ von Warren Zevon, „So Into You“ von der Atlanta Rhythm Section oder auch die durch die Derek Trucks Band wiederbelebte alte Blues-Nummer „I‘d Rather Be (Blind, Crippled And Crazy)“ Tom Gillam zugeschrieben werden können, treffen sie doch voll das Mark dessen musikalischer Vorlieben. Ben Arnold wiederum hat die Lead Vocals bei Neil Young’s „Everybody Knows This Is Nowhere“ und „Put The Message In The Box“ von Karl Wallinger’s Band World Party übernommen, ein klares Zeichen dafür, wessen Idee diese Auswahl war. Scott Brickin ist ein erklärter Beatles-Fan – „You’ve Got To Hide Your Love Away“ könnte sein Vorschlag gewesen sein. Nicht nur ein ausgezeichneter Drummer, sondern auch mit einer wunderbaren Gesangsstimme versehen ist Matt Muir, und so dominiert er bei den Nummern „Second Hand News“ aus dem Fleetwood Mac-Klassiker Rumours und beim abschließenden Jackson Browne-Meilenstein „Running On Empty“.

 

Dass alle Musiker der US Rails großartige Songwriter sind, müssen sie nicht mit jedem neuen Album beweisen. We Have All Been Here Before ist eine herrlich frische „Zwischendurch“-Platte, die die Wartezeit  auf ein weiteres Album mit eigenen Stücken angenehm überbrückt.

Auch Ben Arnold (Acoustic Guitar, Piano, Electric Piano, Organ, Vocals), Scott Bricklin (Bass, Acoustic Guitar, Vocals) und der häufig gebuchte Studio/Session-Mann Matt Muir (Drums, Percussion, Vocals) waren zuvor bei 4 Way Street. Arnold besitzt sicher die markanteste, weil “rostigste” Stimme und bringt seit 1995 eigene CDs heraus, zuletzt debütierte er in 2010 für Blue Rose mit dem exzellenten Album Simplify. Multiinstrumentalist, Produzent, Recording Engineer, Sänger und Songwriter Scott Bricklin hat ebenso eine lange Strecke hinter sich: die 80er Kultband Bricklin, Martin’s Dam, Tourneen mit Joseph Parsons, den Figgs und Graham Parker… Er lebt seit ein paar Jahren in Paris und hat Anfang 2011 sein selbstbetiteltes Debüt vorgelegt. Bei US Rails ist er hauptamtlich am Bass zu hören und als Sänger seiner eigenen Stücke.

Bleibt noch der vierte Mann übrig: Tom Gillam (Electric & Acoustic Guitars, Slide Guitar, Banjo, Vocals), auch ein arrivierter Blue Roser der Güteklasse “A” und einer, der schon oft mit Joseph Parsons als Sideman unterwegs war – live und auf Platte. Er stammt aus New Jersey und gelangte über die Philadelphia-Schiene zu den anderen, lebt aber schon länger in Austin, Texas. Es sind klar seine instrumentellen Beiträge auf der elektrischen Gitarre, die den rockigen Unterschied bei US Rails ausmachen. Besonders an der Electric Slide transportiert er den filigranen, harmonisch-melodischen, oft mehrstimmig gesungenen und mit akustischen Gitarren begleiteten Folk Rock in deutliche Roots Rock-Nähe.

US Rails

 

 

 

 

 

Joseph Parsons (Acoustic Guitar, Orgel, Vocals) hat sich zur Verblüffung vieler vom Musiker zum Manager des Projekts gewandelt. Er hat schon in den vergangenen Jahren als Kopf und Integrationsfigur die Band zusammen gehalten und Produktionen vorangetrieben.Warum er sich nun ein wenig zurückzieht,kann verschiedene Gründe haben…. Der sympathische, mittlerweile in Niedersachsen lebende Singer/Songwriter ist seit 1998 einer der ultimativen Eckpfeiler des Blue Rose Labels. Der Mann mit der warmen, sonoren Stimme, der wie kaum ein anderer den melodischen, sensiblen Folk Rock beherrscht, muss hier natürlich niemandem mehr vorgestellt werden! Mehr als 10 eigene Alben, Teamarbeiten mit 4 Way Street, Hardpan und Todd Thibaud zieren seit 1995 seine Biographie.